Der Königspinguin

 

  • ist nach dem Kaiserpinguin die zweitgrößte Art der Pinguine
  • wird zusammen mit dem Kaiserpinguin zu der Gattung der Großpinguine gezählt. Es werden derzeit für den Königspinguin zwei Unterarten unterschieden: Aptenodytes Patagonicus Patagonicus (Falklandinseln, Südgeorgien) und Aptenodytes Patagonicus Halli (Indischer Ozean und Südpazifik).

 

Verbreitung / Lebensraum

Wo lebt der Königspinguin?

Der Königspinguin

  • lebt hautsächlich in der Subantarktis. Der Königspinguin brütet auf subantarktischen Inseln zwischen 45 und 55 Grad Süd, dazu zählen  Südgeorgien, Macquarie-Insel, Heard-Insel, Kerguelen-Archipel, Prinz-Edward-Inseln, Crozetinseln und Falklandinseln. In Patagonien kamen sie lange Zeit nicht mehr vor, gelegentlich finden sich jedoch während der Mauser erwachsene Tiere auf der Isla de los Estados ein. Eine kleine Kolonie hat sich vor ein paar Jahren an der Magellanstraße auf Feuerland wieder angesiedelt.
  • hält sich außerhalb der Brutzeit vermutlich in subantarktischen und antarktischen Gewässern auf. Irrgäste erreichen die Antarktische Halbinsel, Antarktika sowie Südafrika, Australien und Neuseeland.
  • hat sich nach dem deutlichen Bestandsrückgang aufgrund der Seehundjagd und dem Abschlachten der erwachsenen Tiere zur Ölgewinnung aus ihrer reichen Fettschicht während des 19. und 20. Jahrhundert erholt. Der Bestand wurde 2004 auf rund 3 Millionen Königspinguine geschätzt.
  • gilt derzeit nicht als gefährdet, allerdings besteht in Südgeorgien die Möglichkeit, dass sich die dortige Fischerei ungünstig auf das verfügbare Nahrungsangebot auswirken könnte.
  • wird von der Weltnaturschutzunion IUCN als nicht gefährdet (least concern) eingestuft.
Königspinguine in St. Andrews Bay, Südgeorgien

Äußere Merkmale

Woran erkennt man den Königspinguin?

Der Königspinguin

  • ist zwischen 85 und 95 Zentimeter groß und wiegt zwischen 9 und 16 Kilogramm.
  • ist als erwachsener Königspinguin an Kopf, Kehle und Kinn schwarz gefärbt. Direkt nach der Mauser glänzt das Gefieder grünlich, kurz vor der Mauser ist es matter und bräunlicher. Auffallend sind die leuchtend gelborangen Flecken an den hinteren Kopfseiten, die als dünne Linie um den Hals bis zur Vorderbrust verlaufen.
  • ist an der Körperoberseite vom Nacken bis zum Schwanz silbrig graublau. Ein schwarzer, maximal ein Zentimeter breiter Streifen verläuft von der Kehle bis in Höhe der Flossen. Die Vorderbrust ist gelborange und hellt in Richtung der weißen Unterbrust auf. Die übrige Körperunterseite ist weiß.
  • hat Flossen, die auf der Unterseite weiß sind mit einer schwarzen Spitze.
  • hat einen zwischen 11,4 und 13,7 Zentimeter langen und sehr schmalen Schnabel. Die Oberseite des Schnabels ist schwarz, die Unterseite normalerweise auf zwei Dritteln der Länge auffällig orange.
  • ist an Füßen und Beinen schwarzgrau.
  • hat braune Augen.
  • sieht als noch nicht geschlechtsreifer Königspinguin den erwachsenen sehr ähnlich, allerdings sind die gelborangen Federpartien weniger leuchtend, die Kehle ist noch grauweiß und die Federn auf dem Oberkopf haben graue Enden. Sie mausern in das Federkleid der erwachsenen Vögel am Beginn ihres dritten Lebensjahres. Küken sind anfangs mit graubraunen Daunen befiedert. Sie mausern dann in ein dichtes, braunes Federkleid, das sie bis zu ihrem zehnten bis zwölften Lebensmonat tragen. Ihr Schnabel ist schwarz.
  • kann auf Grund der Körpergröße mit dem Kaiserpinguin verwechselt werden. Beim Kaiserpinguin sind die gelborangen Gefiederpartien weniger leuchtend und nicht so deutlich klar eingegrenzt wie beim Königspinguin. Der Unterschnabel ist beim Kaiserpinguin außerdem rötlicher. Außerdem wiegt der Königspinguin nur etwa halb so viel wie der Kaiserpinguin.
Königspinguine

Brut / Jungvogelaufzucht 

Wie pflanzt der Königspinguin sich fort?

Der Königspinguin

  • brütet gewöhnlich auf flachen Küstenabschnitten hinter Sandstränden in unmittelbarer Nähe zum Meer. Die Brutstelle ist häufig geschützt und sonnenexponiert. Die meisten Kolonien finden sich in der Nähe des Strandes, auf den Crozetinseln befindet sich jedoch eine Brutkolonie 1,3 Kilometer vom Strand entfernt im Binnenland.
  • hält sich vom Packeis fern, alle Brutkolonien liegen nördlich der normalen Treibeisgrenze.
  • nisten in Kolonien mit einem durchschnittlichen Abstand von 80 – 100 Zentimetern zum Nachbarn. Zu nahe kommende Artgenossen werden durch Flügelschläge und Schnabelhiebe abgewehrt.
  • kehrt normalerweise immer zum gleichen Brutgebiet zurück.
  • baut kein Nest zum Brüten wie andere Pinguinarten, sondern trägt das Ei auf den Füßen und bedeckt es mit einer Bauchfalte.
  • verliert während der Brutzeit einen Teil der Beinfedern, damit das Ei engeren und damit wärmeren Kontakt zum Körper hat.
  • ist während des Brutzyklus‘ monogam aufgrund der harten klimatischen Rahmenbedingungen für die Nachwuchsaufzucht. Da es aber sehr unwahrscheinlich ist, das beide Partner zum nächsten Brutzyklus zur selben Zeit wieder an Land kommen, liegt die Scheidungsrate bei 80 Prozent.
  • versucht einen Partner zu finden, indem er die Flügel ausbreitet, den Kopf nach oben reckt und Kontaktrufe von sich gibt. Bei Erfolg nähert sich ihm ein Partner, der aus der Nähe auf das Rufen antwortet. Es folgt ein regelrechter Schreiwettbewerb bei dem sich beide Pinguine gegenüberstehen und ihr Rufen aufeinander abstimmen. Darauf folgt die Balz, bei der sie hintereinander her watscheln und schnäbeln.
  • kann nicht – wie normalerweise bei Vögeln üblich – ein Mal pro Jahr brüten, da ein vollständiger Brutzyklus circa vierzehn Monate dauert. Ein Brutpaar zieht höchstens zwei Mal Nachwuchs in drei Jahren auf. Der erste Zyklus beginnt im November, also im Frühsommer der Südhalbkugel, mit den Paarungsritualen. Im Dezember legt das Weibchen ein einzelnes, 280 bis 310 Gramm schweres, grünlich-weißes Ei. Der zweite Zyklus beginnt im Februar.
  • wechselt sich beim Brüten mit seinem Partner alle 6 bis 18 Tage ab, der andere Partner geht so lange auf Nahrungssuche. Bei der Ablösung treten die Eltern Bauch an Bauch dicht aneinander und rollen das Ei auf den Füssen zum Partner herüber, wo es gleich wieder wärmend mit der Bauchfalte zugedeckt wird.
  • bebrütet das Ei durchschnittlich 55 Tagen in der Bauchfalte.
  • braucht als Jungvogel nach dem Schlüpfen weitere neun Monate lang elterlichen Schutz, Fürsorge und Ernährung. Dabei bleibt der Jungvogel in den ersten dreißig bis vierzig Tagen noch zwischen den Füßen seiner Eltern in der wärmenden Bauchfalte, bis ihm ein erstes Daunenkleid gewachsen ist und er seine Körpertemperatur selbst regulieren kann.
  • wechselt sich in der Aufzucht in Abständen von 3 bis 14 Tagen mit seinem Partner ab, ältere Küken bilden Gruppen und beide Elternteile gehen auf die Jagd. So kann es zu großen Futterpausen für die Jungen kommen. Während des Winters können sich die Futterpausen auf bis zu drei Monate ausdehnen. In dieser Zeit können die Küken ohne Schaden zu nehmen bis zu 70 Prozent ihres Körpergewichtes verlieren.
  • verliert nach 10 bis 13 Monaten seinen jugendlichen braunen Daunenschutz, wechselt zum Erwachsenengefieder und trennt sich dann von seinen Eltern.
  • beginnt den zweiten Brutzyklus nach einer Phase der Erholung mit der Eiablage im Februar und dem Schlüpfen der Jungen im April. Hat er bereits im zweiten Zyklus gebrütet, muss er auf den darauffolgenden November warten. Das Küken könnte sonst nicht überleben, da es nicht mehr rechtzeitig bis zum Winter (Juni – September) schlüpfen würde
  • wird mit sechs Jahren geschlechtsreif.

 

Königspinguine füttern ihren Nachwuchs

Verhalten

Wie sieht ein typischer Tag im Leben eines Königspinguins aus?

Der Königspinguin

  • ist durch seine dichten, wasserundurchlässigen Federn und sein dickes Unterhautfettgewebe vor der Kälte geschützt.
  • kann über 500 Meter tief tauchen und mehrere Minuten unter Wasser bleiben.
  • unternimmt durchschnittlich 150 Tauchgänge pro Tag, mehr als die Hälfte in Tiefen von über 50 Metern. Der Sauerstoff-Nachschub unter Wasser wird durch Myoglobin, ein dem Hämoglobin verwandtes Muskelprotein, gewährleistet. Grundsätzlich tauchen Königspinguine während des Tages tiefer, während der Nacht halten sie sich in Gewässerregionen von unter 30 Meter Tiefe auf. Tauchgänge dauern im Durchschnitt 5,5 Minuten.
  • ernährt sich von kleinen Fischen, Krill und Tintenfischen.
  • jagt Beute, die Licht durch Biolumineszenz erzeugt und dadurch nachts gesehen werden kann.
  • kann pro Jagd bis zu 20 Kilogramm Meerestiere fressen. Die Hauptfischgründe befinden sich im offenen Meer. Durchschnittlich schwimmen Brutvögel 28 Kilometer bevor sie das erste Mal nach Nahrung tauchten.
  • ist sehr gesellig, jagt in Gruppen und bildet zum Brüten zum Teil große Kolonien mit zehntausenden Tieren. Bei der Jagd in der Gruppe werden ganze Fischschwärme geschickt eingekreist.
  • hat die Fähigkeit andere Königspinguine an ihren Rufen zu erkennen. Der Kontaktruf ist einsilbig, dauert 0,4 bis 0,8 Sekunden und wird häufig von Pinguinen verwendet, die gerade an Land gegangen sind. Auch Küken und Eltern finden sich durch Kontaktrufe in den Kolonien wieder. Auf die Rufe eines Kükens reagieren nur die jeweiligen Elternvögel.
  • hält den Schnabel beim Rufen nach oben.
  • verwendet bei der Balz mehrsilbrige Lautäußerungen. Kurze Rufe sind vor allem während der Paarbildung zu hören und werden meist von einem noch nicht verpaarten Königspinguin gerufen. Lange Rufe sind eher gegen Ende der Balzzeit zu hören, wenn die Paarbindungen bereits bestehen. Sie dienen dazu, den Partnervogel innerhalb der Kolonie wiederzufinden.
  • droht, indem er sehr kurze und abgehackte Rufe äußert und dann mit dem Schnabel nach dem anderen Pinguin hackt.
  • kann bis zu 20 Jahre alt werden.
  • hat an Land als ausgewachsener Königspinguin keine natürlichen Feinde zu fürchten. Nur die Eier und kleinen Jungvögel müssen vor gelegentlichen Angriffen von Riesensturmvögeln beschützt werden. Königspinguine brüten oft in der Nähe von Eselspinguinen, manchmal sogar mitten unter ihnen. Dies dient als Schutz vor Räubern, die die schlechter bewachten Küken der Eselspinguine vorziehen.
  • ist als Küken am meisten durch die eigenen Eltern bedroht. Streitsüchtige Eltern vergessen manchmal über der Auseinandersetzung mit dem Nachbarn ihr Küken und erdrücken es versehentlich. Manchmal gehen Eier bei der Eiübergabe an den Partner kaputt oder werden zerstört, wenn die Eltern durch Touristen, Flugzeuge, Helikopter oder Schafe gestört werden und in Panik eine kopflose Flucht antreten. Kommt ein Partner nicht vom Jagen zurück, muss der brütende Pinguin irgendwann sein Gelege aufgeben, um nicht selbst zu verhungern. Das ungeschlüpfte Küken erfriert und wird zur Beute von Möwen. Auch für geschlüfpte Jungvögel ist die Kälte des subantarktischen Winters lebensbedrohlich. Durchschnittlich sterben rund 50 Prozent der Küken während der Phase des Alleinseins im Winter.
  • ist dem Tourismus hauptsächlich auf den Falklandinseln und auf Südgeorgien ausgesetzt. Die Auswirkungen sind momentan sehr gering. Solange die Touristen die Kolonie nicht betreten, fühlen die Pinguine sich nicht von ihrer Anwesenheit gestört.
  • läuft Gefahr im Meer als Beute von Schwertwalen und Seeleoparden zu enden.

 

Königspinguine

Erleben

Wo kann man Königspinguine in freier Wildbahn sehen?

In Südamerika

  • Bahía Inútil an der Magellanstraße auf Feuerland (kleine Kolonie im Parque Pingüino Rey)
  • auf Südgeorgien und den Falklandinseln im Rahmen einer Kreuzfahrt.

Riesige Kolonie auf Südgeorgien