Der Brillenpinguin

 

  • wird auch African Penguin oder Blackfooted Penguin genannt.
  • trägt den wissenschaftlichen Namen Spheniscus demersus und gehört zur gleichnamigen Gattung innerhalb der Familie der Pinguine Spheniscidae. Ebenfalls zur Gattung der Brillenpinguine gehört der Magellanpinguin, der Humboldtpinguin und der Galápagospinguin.

 

Verbreitung / Lebensraum

Wo lebt der Brillenpinguin?

Der Brillenpinguin

  • ist der einzige heute noch in freier Wildbahn lebenden Pinguin Afrikas.
  • lebt an der afrikanischen Westküste von Namibia und Südafrika sowie auf den Inseln vor Angola. Der Bestand wird aktuell auf 75.000 wilde Brillenpinguine und etwa 25.000 Brutpaare geschätzt. Ihr Bestand hat im letzten Jahrhundert stark abgenommen und ist vor allem durch die stark befahrene Tankerroute vor der Küste und aufgrund von Ölunfällen bedroht. Auch die Überfischung der Meere, das Sammeln von Pinguineiern durch Menschen sowie die Verwertung von Guano als Düngemittel haben sich stark auf den Bestand der Brillenpinguine ausgewirkt.
  • wird von der Weltnaturschutzunion IUCN als gefährdet (endangered) eingestuft.

 

Äußere Merkmale

Woran erkennt man den Brillenpinguin?

Der Brillenpinguin

  • ist 60 bis 70 Zentimeter groß.
  • wiegt durchschnittlich 2,5 bis 3 Kilogramm. Kurz vor der Mauser kann er bis zu 4,3 Kilogramm wiegen.
  • ist wie alle Pinguine hauptsächlich schwarz-weiß gefärbt.
  • hat einen schwarzen Schnabel mit einigen weißen Flecken im vorderen Drittel.
  • hat seinen Namen von dem rosa Billen-artigen Fleck, der sich vom Schnabel zu den Augen und darum herum entlangzieht.
  • ist an Vorderkopf, Scheitel, Kinn, Wangen und Rücken schwarz gefärbt. Der Bauch ist weiß mit schwarzen Punkten, die Anzahl und Verteilung dieser Punkte ist bei jedem Pinguin unterschiedlich.
  • erhält sein für die Gattung der Brillenpinguine charakteristisches Aussehen durch ein schwarzes Band, das dünn in der Nähe der Füße beginnt und sich vor den Flossen an der Seite nach oben bis in die Nähe des Kinns zieht. Dort trifft es auf das von der anderen Seite kommende Band und beide bilden zusammen ein U.
  • lässt sich von den Magellanpinguinen, Humboldtpinguinen oder Galápagospinguinen unterscheiden, da bei ihm das auf dem Kopf stehende schwarze U dicker ausgeprägt ist. Außerdem hat der Magellanpinguin ein doppeltes schwarzes Band (Halskrause).

 

Brut / Jungvogelaufzucht 

Wie pflanzt der Brillenpinguin sich fort?

Der Brillenpinguin

  • brütet in küstennahen Kolonien.
  • legt seine Eier in flache Vertiefungen, Höhlen oder unter Felsüberhängen.
  • bevorzugt die Inseln vor der afrikanischen Küste. Wenn er auf dem Festland brütet, zieht er schwer zugängliche Buchten mit oftmals höheren Felsen rundherum vor, um Landräubern wie Hyänen oder Schakalen den Zugang zu den Eiern zu erschweren. Sobald das Männchen in der Kolonie ankommt, sucht es sich einen geeigneten Nistplatz und startet mit lauten Rufen die Partnersuche. Ist ein Weibchen interessiert und paarungsbereit, antwortet es dem Männchen, umrundet ihn mehrmals und läuft wieder davon. Wenn das Männchen ihr daraufhin folgt, hat es tatsächlich Interesse. Ist die Verfolgungsjagd beendet, stellen sich die beiden Pinguine gegenüber auf und reiben ihre Schnäbel aneinander. Das Schnäbeln dient später auch dazu die Beziehung zu vertiefen.
  • gräbt als Nistplatz mit den Füßen und Flossen eine 30 bis 100 Zentimeter tiefe Höhle in den Boden und wechselt sich dabei mit seinem Partner ab. Dies dient zum Schutz vor der Sommerhitze. Da es wenig Küstenvegetation gibt, deren Wurzeln die Decke der Bruthöhle stabilisieren könnten, besteht Einsturzgefahr. Eine Ausnahme bilden die stabilen Guano Berge (Ansammlungen von altem Vogel Kot), diese sind jedoch teilweise im 19. Jahrhundert der Düngemittelindustrie zum Opfer gefallen.
  • polstert sein Nest mit Zweigen, Gras und Federn.
  • brütet das ganze Jahr über, da das Meer zu jeder Jahreszeit genug Nahrung bietet. Allerdings werden bei Brillenpinguinen, die aus Mangel an Nistmaterialien unter freiem Himmel brüten müssen (zum Beispiel bei Simon’s Town), die Wintermonate Juli und August bevorzugt, um der Sommerhitze zu entgehen.
  • legt im Abstand von 2 Tagen zwei hellgrüne Eier. Diese werden etwa 40 Tage bebrütet. Die Partner wechseln sich dabei alle drei bis vier Tage ab. Die Brutablösung wird mit leisen Rufen angekündigt, da die Bruthöhle für beide Erwachsenen zu klein ist. Es findet also ein fliegender Wechsel statt, der brütende Pinguin verlässt die Bruthöhle und der andere Pinguin schlüpft sofort danach hinein. Wird ohne Bruthöhle gebrütet, ist die Ablösung einfacher.
  • trägt als Küken ein dunkles, braungraues Daunengefieder
  • mausert sich zum ersten Mal im Alter von 5 bis 6 Wochen in das Gefieder eines halbwüchsigen Brillenpinguins. Die Küken haben mattweiße Bäuche. Ältere Küken schließen sich zu kleineren Gruppen von 8 bis 10 Tieren zusammen, damit beide Eltern gleichzeitig auf Nahrungssuche gehen können.
  • wird im Alter von etwa 85 Tagen flügge und nicht länger von den Eltern ernährt.
  • wird mit etwa 4 Jahren geschlechtsreif.

 

Brillenpinguine in Südafrika
Brillenpinguine in ihrer Kolonie, Südafrika

 

Verhalten

Wie sieht ein typischer Tag im Leben eines Brillenpinguins aus?

Der Brillenpinguin

  • ernährt sich hauptsächlich von Schwarmfischen, jagt aber auch verschiedene Krustentiere und kleine Krebse.
  • ist sehr gesellig, lebt in Kolonien und jagt in Gruppen.
  • ist unter Wasser bis zu 20 Stundenkilometer schnell.
  • taucht in der Regel etwa 20 Meter tief und bleibt 3 Minuten unter Wasser.
  • legt auf Futtersuche täglich bis zu 110 Kilometer zurück, durchschnittlich sind es etwa 40 Kilometer.
  • hat eine dicke Fettschicht um sich im kalten Meerwasser warm zu halten. Dies ist ein Nachteil an Land, besonders im heißen Sommer. Damit der Brillenpinguin nicht überhitzt, ist er normalerweise tagsüber im Wasser und geht nachts zum Schlafen an Land. Nur die Brutzeit bildet eine Ausnahme.
  • mausert sich nach Abschluss des Brutzyklus für etwa 20 Tage.
  • erreicht ein Alter von bis zu 20 Jahren.
  • läuft im Meer Gefahr als Beute von Robben und verschiedener Haiarten zu enden. Weiße Haie bevorzugen Robben, die sich von Brillenpinguinen ernähren.
  • ist durch ölverschmutztes Wasser bedroht. Außerdem lagern sich Schwermetalle im Organismus der Pinguine an, die das Immunsystem schwächen und sich negativ auf die Fruchtbarkeit auswirken.
  • muss seine Eier und Küken vor Möwen schützen, besonders wenn unter freiem Himmel gebrütet wird. Auch Katzen und Hunde machen Jagd auf Brillenpinguine und Menschen sammeln ihre Eier als Dekoration oder um Omletts daraus zu machen.

 

Brillenpinguine, Südafrika
Brillenpinguine, Südafrika

 

Erleben

Wo kann man Brillenpinguine in freier Wildbahn sehen?

In Südafrika:

  • am Boulder’s Beach in Simon’s Town, dort gibt es eine über Stege zugängliche Kolonie von Brillenpinguinen
  • am Stony Point in der Nähe von Bettys Bay
  • in Lambertsbay
  • auf einigen vorgelagerten Inseln vor Gaansbai, zum Beispiel Robben Island oder Dyer Island

In Namibia:

  • Halifax Island, mit einer Bootstour ab Lüderitz zu erreichen